Beschlüsse und Positionen des Deutschen Bundesjugendring 2008

Den Ausstieg aus der Atomenergie beschleunigen!


Kinder und Jugendliche haben Angst vor der Atomenergie. Deswegen macht sich der DBJR für einen schnelleren Ausstieg aus der Atomkraft stark.

Berlin, 27.10.2008 - „Der Staat schützt auch in Verantwortung für die künftigen Generationen die natürlichen Lebensgrundlagen …“ Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland, Artikel 20a.

Der so genannte Atomkonsens hat einen Schlussstrich unter ein teures Kapitel deutscher Energiepolitik gesetzt. Vor allem war er aber auch das Startsignal für eine nachhaltige Energieversorgung, die die Energiegewinnung für die heute junge Generation sicherstellen kann. Angesichts der globalen Herausforderungen des Klimawandels werden jedoch Rufe nach einer Laufzeitverlängerung der Atomkraftwerke lauter. Nicht nur die Stromkonzerne, auch Vertreter/innen der großen Volksparteien stellten die Atomkraft wiederholt als klimafreundliche Alternative zu Energie aus fossilen Ressourcen dar.

Die Forderungen nach einer verlängerten Laufzeit der Kernreaktoren stellen dabei nicht nur einen gesellschaftlich ausgehandelten Konsens in Frage, sondern widersprechen auch dem Interesse junger Menschen an einer sicheren, nachhaltigen Lebensweise.

Die Zwischenfälle in Brunsbüttel, Neckarwestheim, Unterweser, Biblis und Philippsburg zeigen, dass die Idee der „sicheren Atomkraft“ ein gefährlicher Mythos ist.

Das Risiko eines GAUs ist zwar – zumindest in Deutschland – relativ niedrig, jedoch hat die Risikobetrachtung immer zwei Dimensionen: die Eintrittswahrscheinlichkeit und der Schadensumfang. Eine Kernschmelze kann zu einer katastrophalen Freisetzung von Radioaktivität führen, die unabsehbare Folgen hätte.

Auch die nach wie vor ungeklärte Endlagerfrage und die Probleme in Asse II zeigen, dass die Atomkraft keine saubere Energiequelle ist und unkalkulierbare Altlasten produziert. Dass dies ein globales Problem ist, zeigt sich daran, dass nicht nur in Deutschland, sondern weltweit in keinem Staat die Endlagerfrage gelöst werden konnte.

Die Unfähigkeit der Politik, einen tragfähigen Kompromiss zu finden, lastet jungen Menschen und zukünftigen Generationen ein schweres Erbe auf. Heute junge Menschen müssen damit Probleme einer Technologie lösen, die sie mehrheitlich ablehnen und die ihnen von vorangegangenen Generationen aufgeladen wurde. Generationengerechtigkeit und Partizipation sehen anders aus!

Aktiver Klimaschutz ist nicht nur bei einer Beibehaltung, sondern auch bei einem Vorziehen des Ausstiegs aus der Nutzung von Atomenergie möglich: Das letzte Atomkraftwerk wird dem Gesetz zum Ausstieg aus der Kernenergie zufolge voraussichtlich 2021 vom Netz gehen. Allein die Stromproduktion aus erneuerbaren Energien steigt aktuellen Prognosen zufolge zwischen 2002 und 2010 von rund 50 Milliarden Kilowattstunden auf 92 Milliarden Kilowattstunden. Das ersetzt bereits mehr als das Doppelte des Stroms aus den Atomkraftwerken, die bis 2010 gemäß Atomausstiegsvereinbarung abzuschalten sind. Die so genannte Stromlücke ist somit ein Mythos, der von der Atomlobby gestreut wird, um existenzielle Ängste einer Unterversorgung an Energie zu schüren.

Im Gegenteil verhindert die weitere Nutzung nicht regelbarer Atomkraftwerke den weiteren massiven Ausbau der erneuerbaren Energien. Auf dem Weg zu einer Vollversorgung durch erneuerbare Energien sind als Übergangstechnologie hingegen hochflexible, regelbare Kraftwerke (z. B. Erdgaskraftwerke) notwendig.

Der derzeitige „Atomkonsens“ ermöglicht die beliebige Verschiebung der Laufzeiten über mehrere Wahlperioden hinaus. Es besteht somit die Gefahr der wiederholten Infragestellung des Ausstiegs. Eine nachhaltige Energieversorgung wird so effektiv verhindert!

Die ungelösten Probleme der Endlagerfrage, die nach wie vor großen Risiken einer Nutzung der Kernenergie und die durch den Ausbau erneuerbarer Energien frei werdenden Kapazitäten lassen nur einen Schluss zu: Der Ausstieg aus der Nutzung der Kernenergie kann und muss beschleunigt werden!

Die Jugendorganisationen im Deutschen Bundesjugendring sprechen sich deshalb für eine Beschleunigung des Atomausstiegs aus.

Es besteht keine Stromlücke, sondern eine Handlungslücke. Junge Menschen sind bereit, sich dieser Herausforderung zu stellen. Politik hat hier die Aufgabe, sie zu unterstützen und Mut zur Gestaltung einer nachhaltigen Energieversorgung zu zeigen.


Von der 81. Vollversammlung des Deutschen Bundesjugendrings am 24./25.10.2008 in Berlin beschlossen.



Die ausführliche Stellungnahme des Deutschen Bundesjugendring finden Sie hier als Download zur Verfügung gestellt.

Download:
  • Datei: 34.11 KB
  • download

Suche:

Suche: Geben Sie bitte in der unten stehenden Suchmaske Ihr Suchwort und den Zeitraum an, den Sie durchsuchen möchten.

Suche nach Schlagworten

A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | alle

RSS-Feed: